Caroline Emcke, Idea Vilariño

De Duitse schrijfster en journaliste Caroline Emcke werd geboren op 18 augustus 1967 in Mülheim an der Ruhr. Zie ook alle tags voor Caroline Emcke op dit blog.

Uit: Respekt ist zumutbar: Texte zu unserer Gegenwart

»Hüter, ist die Nacht bald hin?«, in der Zeile aus dem »Lobgesang« von Mendelssohn Bartholdy, den alten Worten aus dem Buch Jesaja, klingt das furchtsame Unbehagen an, das mancher in diesen Tagen spürt: »Hüter, ist die Nacht bald hin?« möchten wir flüstern angesichts der Nöte und Krisen, deren Zeugen wir werden. Die simultane Dringlichkeit der Konflikte zwischen der Ukraine und Russland, in Syrien und im Irak, bis vor Kurzem zwischen Gaza und Israel, die atem-beraubende Geschwindigkeit, mit der Heimaten vernichtet oder verschoben werden, und die unheimliche Entgrenzung der Gewalt, das verfolgen wir, von morgens bis nachts — und möchten nurmehr, dass es heller werde. Wir schauen zu, wie türkische Soldaten dabei zuschauen, wie Kurden in Kobanê im Kampf gegen die IS-Miliz sterben, eben jene Kurden, die fast allein die staatliche Einheit des Irak verteidigen sollen, denen aber ein eigener Staat nicht zugestanden wird. Wir schauen zu, wie Zivilisten in der Ostukraine an der Bruchlinie Europas zerrieben werden. Wir schauen zu, wie junge Studenten in Hongkong bewusstlos geknüppelt werden, während sie für Bürgerechte demonstrieren, wir schauen zu, wie junge Journalisten, muslimische oder jüdische oder katholische, gefoltert und getötet werden. Wir schauen zu, wie Flüchtlinge, die an ein Europa der Menschenrechte noch glauben, sich an unseren Grenzzäunen den Leib aufreißen oder vor unseren Stränden ertrinken. Und unsere eigene passive Zeugenschaft wird fraglich. Wie lange wollen wir so zusehen? Wie lange können wir zusehen? Wer sind wir, die wir da jeden Tag, jeden Moment, gewissermaßen im Liveticker, Menschen im Wendekreis des Elends betrachten? Wer sind wir, die wir, unbewusst oder bewusst das Leid auch noch hierarchisieren, die wir unterscheiden und werten, je nach eigener religiöser Zugehörigkeit, kultureller oder ethnischer Prägung, je nach Hautfarbe oder Geschlecht, dann noch manche Gewalt erschütternder als andere empfinden. Weil uns die einen näher sind als die anderen. Die amerikanische Autorin Susan Sontag glaubte einst noch, dass das Betrachten des Leids der anderen die Zu-schauer mitunter mit einer gewissen Erleichterung erfüllen könnte. Wie immer groß die »Tele-Intimität aus Tod und Zerstörung« (Sontag) auch sein mochte, Zuschauen bedeutete eben auch, nicht dort zu sein, nicht bedroht zu sein, nicht schutzlos zu sein, bedeutete die Gnade, verschont zu sein von jenem Leid. In dieser Hinsicht konnte sich im Leid der anderen auch das eigene Glück spiegeln.“

 

Caroline Emcke (Mülheim an der Ruhr, 18 augustus 1967)

 

De Uruguayaanse dichteres Idea Vilariño werd geboren op 18 augustus 1920 in Montevideo. Zie ook alle tags voor Idea Vilariño op dit blog.

 

De huid

Jouw aanraking
jouw huid
zacht, sterk, uitgestrekt
vreugde schenkend
gehecht
aan liefde, aan warmte.

Bleek op het voorhoofd
fijn op de botten
droevig bij de slapen
sterk in de benen
zacht in de wangen
en levendig
heet
vol vuur
levend
met een leven dat graag doorgegeven wil worden
teder
overgegeven, intiem
Dat was jouw huid
wat ik nam
wat jij gaf.

 

Vertaald door Frans Roumen

 

 Idea Vilariño (18 augustus 1920 – 28 april 2009)

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 18e augustus ook mijn blog van 18 augustus 2025 en ook mijn blog van 18 augustus 2024 en ook mijn blog van 18 augustus 2018 en ook mijn blog van 18 augustus 2017 en ook mijn blog van 18 augustus 2016 en ook mijn blog van 18 augustus 2013 deel 1 en ook deel 2.

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