Joachim Meyerhoff, Steffen Popp

De Duitse schrijver, regisseur en acteur  Joachim Philipp Maria Meyerhoff werd geboren op 18 juli 1967 in Homburg, Saarland. Zie ook alle tags voor Joachim Meyerhoff op dit blog.

Uit: Die Zweisamkeit der Einzelgänger

„Willst du dich umbringen?« Das war der erste Satz, den sie zu mir sagte, und ich habe mich später noch oft gefragt, ob mir das eine Warnung hätte sein sollen. Ich hatte sie den ganzen Abend über während der faden Premierenfeier beobachtet, fasziniert von ihrem Aussehen. Zu große Zähne, zu große Augen, zu platte Nase, verdammt kurze Haare. Sie gefiel mir sofort. Immer wieder sahen wir uns an und tatsächlich – sie lächelte ein bisschen. Ihr Kopf bewegte sich seltsam mechanisch, auch die Arme und Hände, alles wie einzeln, unabhängig voneinander, als passe kein Körperteil zum anderen. Dadurch sah ich sie aber umso deutlicher. Elegant, aber doch auch steif, ja fast ein wenig roboterhaft hob sie die Bierflasche zum Mund. Ihr eines Auge wurde je nach Kopfhaltung mal mehr, mal weniger von fallenden Strähnen verdeckt, das Haar im Nacken hingegen war ausrasiert. Sie trug eine weiße Bluse mit eigenwilligem Kragen, einen dunkelblauen Bundfaltenrock, dessen Kanten und Knicke in gut organisierten Wellen hin und her schwangen, eine dunkle Strumpfhose und altmodische Schuhe mit abgerundeten Schuhspitzen. Es kostete mich einige Mühe, sie momentweise aus den Augen zu lassen, sie nicht ununterbrochen anzustarren. Etwas an ihr war komplett eigenartig. Aber was es genau war, konnte ich nicht sagen. War es die von Sommersprossen überstreuselte, wie von einem schweren Boxhieb eingedrückte Nase oder der sehr rot geschminkte, aufgeworfene Mund? Waren es die etwas zu dick gezogenen schwarzen Lidstriche? Seltsam zusammengewürfelt war dieses Gesicht: Mund, Augen, Nase überdimensioniert, und in der Summe hätte diese Anordnung leicht ein grobschlächtiges Gesamtes ergeben können. Tat sie aber nicht. Ich war mir nicht sicher, sah sie fantastisch aus oder grotesk?
Egal, wo ich mich während der Feier aufhielt, ich wusste immer, wo sie war. Eine innere Magnetnadel zeigte stur in ihre Richtung. Drehte ich mich ab, musste ich das gegen einen Widerstand tun, so als würde ich versuchen, mich aus einem Kraftfeld herauszuarbeiten. Drehte ich mich wieder zu ihr, wirbelte es mich regelrecht herum. Im Laufe des Abends wuchs ihre Gravitation auf mich.“

 

Joachim Meyerhoff (Homburg, 18 juli 1967)

 

De Duitse dichter en schrijver Steffen Popp werd geboren op 18 juli 1978 in Greifswald. Zie ook alle tags voor Steffen Popp op dit blog.

 

Plotseling, op een vlinderpunt,
eindigt het spoor, neemt verval het over.
Sluit je ogen: tot ziens, binnen.
Stilte, geworpenheid, op het bed pluizen
asters, paars, hun gekwetter is een suite.
Onverschrokken oefen je trappen, giet onder de
idiote maan kusjes: zelfvertrouwen verzacht de
aanwezigheid, stilstaand nu, we knipperen
slaapdronken in de buisbloemen.
Maar goed, dit niezen, denk ik, is liefde.

 

Vertaald door Frans Roumen

 

Steffen Popp (Greifswald, 18 juli 1978)

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 18e juli ook mijn blog van 18 juli 2024 en ook mijn blog van 18 juli 2020 en eveneens mijn blog van 18 juli 2019.

Midsummer Night (Carol Ann Duffy), Jörg Fauser, Steffen Popp

 

 

Sankthansnatt  (Midzomernacht) door Edvard Munch, 1901-1903

 

Midsummer Night

Not there to see midsummer’s midnight rose
open and bloom, me,
or there when the river dressed in turquoise
under the moon, you;
not there when stones softened, opened, showed
the fossils they held
or there, us, when the dark sky fell to the earth
to gather its smell.

Not there when a strange bird sang on a branch
over our heads, you
and me, or there when a starlit fruit ripened
itself on a tree.
Not there to lie on the grass of our graves, both,
alive alive oh,
or there for Shakespeare’s shooting star,
or for who we are,

but elsewhere, far. Not there for the magic hour
when time becomes love
or there for light’s pale hand to slip, slender,
from darkness’s glove.
Not there when our young ghosts called to us
from the other side
or there where the heron’s rags were a silver gown,
by grace of the light.

Not there to be right, to find our souls, we,
dropped silks on the ground,
or there to be found again by ourselves, you, me,
mirrored in water.
Not there to see constellations spell themselves on the sky
and black rhyme with white
or there to see petals fold on a rose like a kiss
on midsummer night.

 

Carol Ann Duffy (Glasgow, 23 december 1955)
De Doultonfontein voor het Paleis van het Volk in Glasgow

 

De Duitse schrijver en journalist Jörg Fauser werd geboren op 16 juli 1944 in Bad Schwalbach. Zie ook alle tags voor Jörg Fauser op dit blog.

Uit: Caliban Berlin

„Die Gegend wurde immer trostloser. Hochhauswaben, Ausfallstraßen, Autobahnzubringer, dazwischen in ergrautem Grün Mietskasernen, Reihenhäuser, Einkaufszentren, der TÜV,  die Großtankstelle, die Bowlingbahn, die Pizzabude, der ganze Plunder, den die Stadt aufs Land kippt, um es sich einzuverleiben -aber Stadt wird diese Gegend nie. Sie bleibt Zwischenzone. Niemandsland. Als das Taxi hielt, hätte ich am liebsten gesagt: Warten Sie hier, aber dann fiel mir ein, dass der Mann, den ich aufsuchte, Telefon hatte, also zahlte ich, und das Taxi fuhr weg. Der Himmel zwischen den TV-Antennen war wie eine dunkle Ahnung. Das Haus war Teil eines Blocks im Stil des sozialen Wohnungsbaus der frühen 50er Jahre – flache Dächer, Treppenhausfenster wie Schießscharten, Anstrich von der Farbe verdünnter Hühnersuppe. Es fehlten nur die Roller vor der Haus-tür, der Adenauer an der Litfaßsäule und die Capri-Fischer im Radio. Von ihrem Hochsitz im dritten Stock beobachtete mich eine Frau mit blauen Lockenwicklern im Haar. Ein seltsames Lächeln zog an ihren Mundwinkeln. Wusste sie, zu wem ich ging? Ich starrte zurück. Sie zog die Gardinen zu. Ich klingelte. Der Mann, der mich an der Wohnungstür empfing, war mittelgroß, ziemlich massig, mit einem weißblonden Haarkranz und dicken Brillengläsern. Ich schätzte ihn auf etwa sechzig. Seine Kleidung und die Einrichtung des fenster-losen Zimmers, in das er mich führte, erinnerten auch an alte Zeiten, als die Leute noch mit simplen Gebrauchsgegenständen ausgekommen waren. Der altmodische Bücherschrank enthielt Lexika und Klassik, darunter der ganze Goethe. In einer Ecke stand ein Koffer, als sei der Mann erst gestern eingezogen und erwarte keinen langen Aufenthalt. Wir setzten uns. Mir fiel auf, dass er asthmatisch keuchte. Seine Hände zitterten. Er sah mich an. »Sind Sie zum ersten Mal bei einem Astrologen?« Ich steckte mir gerade eine Zigarette an und blies den Rauch weg, um seinem Asthma das Gröbste zu ersparen. Meine Antwort fiel wohl etwas undeutlich aus, denn er sagte mit unnötig lauter Stimme: »Ich bin schwerhörig, ich trage zwar ein Hörgerät, lese aber von den Lippen ab, bitte sprechen Sie deutlich.« »Sind Sie Astrologe im Hauptberuf?«, fragte ich. Ich ertappte mich dabei, dass ich auf seine Lippen starrte. »Ja«, sagte er und breitete Papiere aus, »ich mache das, seit ich 18 bin. Vor 30 Jahren hab ich fünf Mark für ein Horoskop bekommen, heute bin ich natürlich teurer. Und nun sagen Sie mir Ihren Geburtstag, Ihre Geburtsstunde und Ihren Geburtsort.« Ich sagte sie ihm. Dann begann er, mein Horoskop zu erstellen. Bei den Berechnungen benutzte er keinen Taschenrechner. Alte Schule. Seine Hände zitterten zwar, aber er konnte mit dem Zittern umgehen. Ich drückte die Ziga-rette aus und rauchte dann nicht mehr. Während er berechnete und die Zeichen eintrug, stellte er mir Fragen. Ich hatte nicht vorgehabt, ihm meinen Beruf zu sagen, aber er bekam ihn auch so heraus. Dass ich nicht verheiratet war, machte ihm zunächst zu schaffen, bis er schließlich sagte: »Sie sollten überhaupt nicht heiraten, auf keinen Fall vor Oktober 1981, und nur eine Frau, die geistig zu Ihnen passt. Bei Ihrem Leben kommt nichts andres in Frage.«

 

Jörg Fauser (16 juli 1944 – 17 juli 1987)

 

De Duitse dichter en schrijver Steffen Popp werd geboren op 18 juli 1978 in Greifswald. Zie ook alle tags voor Steffen Popp op dit blog.

 

Maanstudies

Dit omhoog! Dan een lange zijwaartse beweging
vriendschap, formaties

een opstijgen van de ogen, hun wegzinken in de droom
beeldverwerking in de tuin, achter het tuinhek

waargenomen entropie tussen prieeltjes, de kolonie
Naar de zon, wierp damp op, groentedamp

dronken lucht uit kassen, werd nevelig, dreef
door onze aardse hersenen direct naar de maan

die we niet bereikten, gemankeerde kosmonauten
met operakijkers, zelf gebreide mutsen

op een houten bank onder de wolkenbank.

 

Vertaald door Frans Roumen

 

Steffen Popp (Greifswald, 18 juli 1978)

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 16e juli ook mijn blog van 16 juli 2025 en ook mijn blog van 16 juli 2023 en ook mijn blog van 16 juli 2021 en ook mijn blog van 16 juli 2020 en eveneens mijn blog van 16 juli 2019 en ook mijn blog van 16 juli 2017 deel 2.

Hochsommer (Hermann Lingg), Richard Russo, Steffen Popp

 

 

Hochsommer door Knut Janson, 1913

 

Hochsommer

O Frühling, holder fahrender Schüler,
Wo zogst du hin? Die Linden blühn,
Die Nächte werden stiller, schwüler,
Und dichter schwillt das dunkle Grün.

Doch ach! Die schönen Stunden fehlen,
Wo jedes Leben überquoll,
Wo trunken alle Schöpfungsseelen
Ins Blaue schwärmten wollustvoll.

Nicht singt mehr wie am Maienfeste,
Die Nachtigall, die Rosenbraut;
Sie fliegt zum tiefverborg’nen Neste
Mit mütterlich besorgtem Laut.

Der goldne längste Tag ist nieder,
Der Himmel voll Gewitter glüht;
Verklungen sind die ersten Lieder,
Die schönsten Blumen sind verblüht.

 

Hermann Lingg ( 22 januari 1820 – 18 juni 1905)
Lindau aan het Bodenmeer,  de geboorteplaats van Hermann Lingg

 

De Amerikaanse schrijver Richard Russo werd geboren op 15 juli 1949 in Johnstown, New York. Zie ook alle tags voor Richard Russo op dit blog.

Uit: Straight Man

“When my nose finally stops bleeding and I’ve disposed of the bloody paper towels, Teddy Barnes insists on driving me home in his ancient Honda Civic, a car that refuses to die and that Teddy, cheap as he is, refuses to trade in. June, his wife, whose sense of self-worth is not easily tilted, drives a new Saab. “That seat goes back,” Teddy says, observing that my knees are practically under my chin.
When we stop at an intersection for oncoming traffic, I run my fingers along the side of the seat, looking for the release. “It does, huh?”
“It’s supposed to,” he says, sounding academic, helpless.
I know it’s supposed to, but I give up trying to make it, preferring the illusion of suffering. I’m not a guilt provoker by nature, but I can play that role. I release a theatrical sigh intended to convey that this is nonsense, that my long legs could be stretched out comfortably beneath the wheel of my own Lincoln, a car as ancient as Teddy’s Civic, but built on a scale more suitable to the long-legged William Henry Devereauxs of the world, two of whom, my father and me, remain above ground.
Teddy is an insanely cautious driver, unwilling to goose his little Civic into a left turn in front of oncoming traffic. “The cars are spaced just wrong. I can’t help it,” he explains when he sees me grinning at him. Teddy’s my age, forty-nine, and though his features are more boyish, he too is beginning to show signs of age. Never robust, his chest seems to have become more concave, which emphasizes his small paunch. His hands are delicate, almost feminine, hairless. His skinny legs appear lost in his trousers. It occurs to me as I study him that Teddy would have a hard time starting over-that is, learning how unfamiliar things work, competing, finding a mate. The business of young men. “Why would I have to start over?” he wants to know, a frightened expression deepening the lines around the corners of his eyes.
Apparently, to judge from the way he’s looking at me now, I have spoken my thought out loud, though I wasn’t aware of doing so. “Don’t you ever wish you could?”
“Could what?” he says, his attention diverted. Having spied a break in the oncoming traffic, he takes his foot off the brake and leans forward, his foot poised over but not touching the gas pedal, only to conclude that the gap between the cars isn’t as big as he thought, settling back into his seat with a frustrated sigh.”

 

Richard Russo (Johnstown, 15 juli 1949)

 

De Duitse dichter en schrijver Steffen Popp werd geboren op 18 juli 1978 in Greifswald. Zie ook alle tags voor Steffen Popp op dit blog en ook mijn blog van 18 juli 2010.

 

Venster op de wereldnacht

Een tram staat te slapen voor het huis – geel
met ingeklapte panto, opgerold in het parkeerlicht

voorin de tram dromen twee conducteurs
hoofdeloos, onder de kleppen van hun kartonnen petten

eentje komt in beweging
stapt uit, een zwakke gloed, en ademt
rook uit, met zijn rug naar de cabine

lang kijkt hij
omhoog, door de oranje verlichting –

blind
als Homerus, in zwarte schoenen
met stalen neuzen
onder de geveltop van Uranus.

 

Vertaald door Frans Roumen

 

Steffen Popp (Greifswald, 18 juli 1978)

 

Zie voor nog meer schrijvers van de 15e juli ook mijn blog van 15 juli 2020 en eveneens mijn blog van 15 juli 2019 en ook mijn blog van 15 juli 2017 deel 2.